„Frei von“ Lebensmittel – wann sind sie nötig?

Immer mehr Menschen greifen zu Lebensmitteln, die frei von Gluten oder Lactose sind ohne dass eine medizinische Notwendigkeit besteht. Für Zöliakiepatienten, Weizenallergiker, Menschen mit Weizen- bzw. Glutensensitivität oder Lactoseintoleranz sind diese Lebensmittel ein Segen und erleichtern den Alltag.

Leiden sie an einer dieser Unverträglichkeiten, ist das Weglassen des Lebensmittels mit krankheitsauslösenden Inhaltsstoffen die einzig sinnvolle Therapie. Denn die Beschwerden lassen dadurch nach oder bleiben aus. „Für alle anderen Personen haben sie keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen“, urteilt die deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Glutenfreie Lebensmittel

Das Angebot an glutenfreien Produkten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für Menschen, die an Zöliakie, Weizenallergie und Gluten- bzw. Weizensensitivität leiden, ist es sinnvoll, Gluten bzw. Weizen zu meiden. Zöliakie und Weizenallergie lassen sich heutzutage zweifelsfrei vom Facharzt nachweisen. Bei der Gluten- bzw. Weizensensitivität liegen zwar ähnliche Symptome wie bei Zöliakie oder Weizenallergie vor.

Viele verzichten allerdings auf Weizenprodukte ohne ärztlichen Befund, sondern aufgrund einer Selbstdiagnose. Ein freiwilliger Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel bedeutet nicht automatisch eine gesundheitsfördernde Ernährung. Die Lebensmittel unterscheiden sich nicht nur in Geschmack und Preis. Durch das Weglassen des Glutens und Ausweichen auf andere Inhaltsstoffe bzw. Lebensmittel kommt es zu Veränderungen der Energie- und Nährstoffzufuhr. Einige glutenfreie Lebensmittel haben einen vergleichsweise höheren Fettgehalt, während der Anteil an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen geringer ist. Werden Weizen und andere glutenhaltige Getreidearten wie Dinkel, Grünkern, Roggen, Hafer und Gerste langfristig vom Speiseplan gestrichen, kann es zu einer geringeren Zufuhr an Ballaststoffen, B-Vitaminen, Magnesium, Zink und Eisen kommen. Beim Verzicht auf Vollkornprodukte bleiben die präventiven Effekte hinsichtlich der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebskrankheiten ungenutzt.

Lactosefrei um jeden Preis?

Für den Begriff „lactosefrei“ gibt es derzeit keine gesetzliche Regelung. Darunter befinden sich auch Lebensmittel, wie Schwarzbrot, Zwieback oder Kochschinken, deren Lactosegehalt nur gering ist. Dies führt bei vielen Betroffenen zur Verunsicherung. Um sicher zu gehen, greifen sie zu gekennzeichneten, aber häufig teureren Produkten. Dabei hätte das herkömmliche Lebensmittel keinerlei Nachteile.

Lactose (= Milchzucker) ist ein natürlicher, in Milch und daraus hergestellten Lebensmitteln, vorkommender Zucker. Eine Lactoseintoleranz ist eine der häufigsten Lebensmittelintoleranzen und führt zu Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen oder Übelkeit. Nur sehr wenige Personen mit Lactoseintoleranz müssen komplett auf Lactose verzichten. Häufig vertragen sie kleine Mengen wie sie in einer Scheibe Käse, einem Joghurt oder in Fertigprodukten vorkommen.

Fazit

Wer „frei von“-Produkte ohne Lebensmittelunverträglichkeit konsumiert, zahlt häufig mehr – hat aber dafür keinen gesundheitlichen Nutzen. Das Weglassen einzelner Lebensmittelgruppen erhöht grundsätzlich das Risiko für Nährstoffdefizite und kann langfristig zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Lebensmittel verzichten muss, bekommt bei einer qualifizierten Ernährungsfachkraft individuelle und alltagstaugliche Hilfe.

Quelle:Deutsche Gesellschaft für Ernährung

4 thoughts on “„Frei von“ Lebensmittel – wann sind sie nötig?”

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Bei mir wurde seit kurzem ebenfalls Laktoseintoleranz festgestellt, sodass ich den Tipp mit der Ernährungsfachkraft mir zu Herzen nehme und mich demnächst mal ausgiebig beraten lasse.

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