Digitalisierung in der Diabetes-Behandlung

Die Zivilisationskrankheit Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Diabetes-Patienten sind daher auf eine stete Kontrolle und Justierung ihres Blutzuckerspiegels angewiesen. Dabei kann die Digitalisierung auch hier Abhilfe schaffen. Auf welche Weise, das zeigen wir in diesem Artikel.

Schon wieder bloß ein Hype?

Die Digitalisierung ist das Schlagwort der vergangenen rund 20 Jahre. Zu Beginn eines jeden neuen Jahres werden nun immerzu neue Digitalisierungschancen und -risiken beschworen und verteufelt; die Fronten könnten nicht verhärteter sein, so scheint es. Doch ein Schwarz-weiß-Denken war noch nie hilfreich, wenn es um die Lösung konkreter Alltagspraktischer Probleme ging. Wenn die Digitalisierung also ein Problem wirklich zu lösen vermag, dann sollte man dies nicht vorschnell als »Hype« abtun. Im Falle der Diabetes-Behandlung beispielsweise scheint Digitalisierung genau dies zu leisten: Sie löst konkrete Probleme von Diabetes-Patienten. Aber wie macht sie das? Dazu muss man sich zunächst einmal anschauen, was Diabetes genau ist.

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die erhöhte Blutzuckerwerte verursacht. Dabei unterscheidet man im Wesentlichen zwischen zwei Diabetes-Typen. Beim Typ-2-Diabetes verlieren die zuckeraufnehmenden Muskelzellen ihre Insulinsensitivität. Die Bauchspeicheldrüse produziert also immer mehr Insulin, das den Blutzucker abbauen und in die Muskelzellen hinein transportieren soll, aber die Insulinrezeptoren dieser Zellen verweigern schlichtweg die Aufnahme. In der Folge sind die Blutzuckerwerte erhöht und müssen mit gesteigerter Aktivität, einer Ernährungsumstellung und teilweise eben auch mit Hilfe von Medikamenten gleichsam künstlich zurechtreguliert werden. Anders verhält es sich beim Typ-1-Diabetes. Hier stellt die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion gänzlich ein, und das Hormon muss von da an intravenös zugeführt werden. Die Sensitivität der Insulinrezeptoren in den Muskelzellen ist dabei gleichwohl nicht beeinträchtigt.

Entscheidend ist nun, dass in beiden Fällen der Zuckerhaushalt genauestens überwacht und reguliert werden muss. Die Überwachung wird in der Regel mit einem gewöhnlichen Blutzuckermessgerät bewerkstelligt. Die Patienten können dies problemlos selbst tun. Die Regulierung muss stattdessen stets in Absprache mit einem Arzt erfolgen und kann eben auf unterschiedliche Arten und Weisen ablaufen – medikamentös oder eben lebensstilbezogen. Und genau hier kommt die Digitalisierung ins Spiel.

Automatisierte Diabetestherapie dank digitaler Technologien

Seit 2019 erscheint der sogenannte »Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes«. Anfang dieses Jahres ist nun die zweite Ausgabe dieses Reports erschienen und belegt, dass digitale Technologien in der Diabetes-Behandlung eindeutig auf dem Vormarsch sind und bei Patienten wie auch behandelnden Ärzten gut ankommen. So habe etwa der Einsatz des sogenannten kontinuierlichen Glukosemonitorings sowie von Insulinpumpen im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Im ersteren Fall um ganze 76, im zweiteren um immerhin 34 Prozent. Mehr als dreiviertel aller Diabetespatienten in Deutschland bewerten die Diabetes-Digitalisierung entsprechend als positiv.

Die Diabetes-Digitalisierung wird dabei oftmals unter dem Stichwort »Digital Diabetes Care« zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um als zukunftsweisend angesehene Konzepte in der digitalen Diabetesbehandlung. Der Fokus liegt vor allem auf der Verzahnung von Mensch und Technologie, auf der Integration digitaler Technologien in Versorgungsprozesse sowie auf der Einführung sogenannter partizipativer Formen der Kommunikation und Kooperation zwischen Patienten und Ärzten. So gibt es beispielsweise immer mehr Diabetes-Apps – etwa im Zusammenhang mit dem Glukosemonitoring -, die diabetesrelevante Daten erfassen und direkt an den behandelnden Arzt weiterleiten bzw. diese graphisch aufbereiten können. Darüber hinaus wird aber auch die Hardware, die Diabetikerinnen und Diabetiker nutzen, zunehmend »smarter«: So gibt es zum Beispiel Insulinpumpen, die mit Apps interagieren können und vielfältige Tools zur Datenanalyse beinhalten.

Angesichts dieser Entwicklungen darf man also gespannt sein, in welcher Weise und bis zu welchem Grad die Digitalisierung die Diabetesbehandlung künftig noch beeinflussen und möglicherweise revolutionieren wird. Zurzeit scheint es so, als würde alles für eine vollständige Automatisierung der Diabetesbehandlung hindeuten. Kritisch anzumerken wäre diesbezüglich entsprechend, dass man dabei stets die potenzielle Gefahr im Auge behalten sollte, dass dadurch die Verantwortung für die Behandlung der Krankheit immer mehr vom fachmännisch geschulten ärztlichen Personal auf die laienhaften Patienten verlagert werden könnte und dass damit zusammenhängend unvorhersehbare Krankheitsverläufe sowie andere Unwägbarkeiten, die eines ärztlichen Expertenurteils und einer ärztlichen Intervention bedürfen, nicht mehr angemessen und rechtzeitig erfasst werden könnten.

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