Vom Film zur Zahnarztpraxis: Das doppelte Leben des Alginats für Abdrücke

Vom zahntechnischen Labor bis zum Filmset ist es nur ein kleiner Schritt. Sind wir verrückt geworden? Nein, oder jedenfalls: noch nicht. Nur die ganz großen Kinofans, Liebhaber der Großbildleinwand und von allem, was zur Filmwelt dazugehört, wissen, dass die Produkte für Masken, Schminke und Spezialeffekte dieselben Silikone und Alginate sind, mit denen Zahnärzte und Zahntechniker Abdrücke für Gebisse machen.

Was sind Alginate?

Diese Alginate sind nichts anderes als wasserlösliches Gummi. Wie verwandelt man das Gesicht eines Schauspielers in einen Vampir, einen Zombie oder einfach in „sich selbst“, um 50 Jahre gealtert? Wir sehen alle noch die Interpretation (und die wandelbare Maske) von Jared Leto in Mr. Nobody von Jaco Van Dormael vor uns.

Die Kreation solcher Special Effects ist ein sehr komplexes Verfahren, für das Fachleute zuständig sind: Maskenbildner sind nicht einfach Kosmetiker, sondern wahre Künstler. Mit dem Alginat für Abdrücke wird eine Art Abdruck genommen, das also ein Negativ ist. Anschließend baut man das eigentliche Modell, in der Regel aus Gips oder Harz. Davon ausgehend werden dann Prothesen nach Maß aus Schaumgummi oder Silikongel konstruiert, die auf dem Gesicht des Schauspielers appliziert werden.

Das reicht von den Augenhöhlen bis zu Gesichtsverletzungen, es können aber auch freiliegende Zahnpartien sein. Mit Silikonkautschuk aus Platin-Polymer erreicht man fast perfekte Details. Nachdem die Haare mit einer entsprechenden Haube sowie Augenbrauen und behaarte Partien mit einer dünnen Schicht Make-up-Entferner bedeckt wurden, hat das Team der Maskenbildner oder Make-up-Artists fünf Minuten Zeit, das cremige Alginat aufzutragen. Dafür wird das Material mit kaltem Wasser angerührt. Die Schicht wird dann mit Gipsbinden verstärkt. Sobald die Gipsmaske ausgehärtet ist, wird der Abdruck abgenommen und sofort mit flüssigem Gips gefüllt. Von der Vorbereitung der Materialien bis zur Herstellung des abschließenden Positiv-Abdrucks braucht man ca. 2-3 Stunden. Komplexere Masken erfordern sogar halbtägige Sitzungen mit vielen Pausen und … viel Geduld!

Auch wenn die Digitaltechnik stark in die Welt der Filmproduktion Einzug gehalten hat, so hat sie doch die Verwendung dieser Mittel bei den professionellen Kino-Maskenbildnern nicht verdrängen können. Wer glaubte, dass diese Spezialeffekte längst der Vergangenheit angehören, erhält die Antwort direkt aus der Zukunft, nämlich von Star Wars, der Science-Fiction-Saga par excellence.

Die jüngste Episode der Serie, Die letzten Jedi, ist zwar sehr reich an Effekten, die mit Computergrafik kreiert wurden, aber es ist auch der Film mit den meisten „praktischen“ Spezialeffekten der Saga. Das erzählte Neal Scanlan, der Designer der Filmkreaturen, in einem Interview mit Slashfilm.

In diesem Film“, sagte Scanlan, 57 Jahre, „gibt es mehr praktische Spezialeffekte als in jedem anderen Film von Star Wars. Ich glaube, es sind fast 200 Kreaturen, Figuren oder Druiden, die tatsächlich angefertigt wurden. Ich weiß nicht, ob sie alle in der Endfassung zu sehen sind, ein paar Striche gibt es immer. Sonst würde der Film sieben Stunden dauern […] Einige waren Handpuppen, andere waren Schauspieler in Overalls, auf Stelzen. Alles in allem haben wir wirklich alle alten Tricks des Berufs genutzt.“

Dank ihrer großen Geschmeidigkeit werden die Alginate für Abdrücke in zahlreichen Industriebranchen verwendet, abgesehen von der Zahntechnik und dem Universum der Special Effects: von Schmuck über Body Casting, vom Mould Making zur Herstellung von verzierten Zementobjekten bis hin zu Anwendungen im Bauwesen und der Keramikbearbeitung.

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